Um den Euro einzuführen, muss Ungarn die sogenannten Maastricht-Kriterien erfüllen. Diese gelten für alle EU-Mitgliedstaaten, die noch nicht im Euroraum sind.
Die wichtigsten Voraussetzungen
- Niedrige Inflation
- Die Inflationsrate darf nur geringfügig über jener der preisstabilsten EU-Länder liegen.
Ungarn derzeit bei 1,8%
- Die Inflationsrate darf nur geringfügig über jener der preisstabilsten EU-Länder liegen.
- Solide Staatsfinanzen
- Das jährliche Haushaltsdefizit darf höchstens 3 % des BIP betragen.
- Die Staatsverschuldung sollte unter 60 % des BIP liegen oder sich glaubwürdig in diese Richtung bewegen.
- Stabile Wechselkurse
- Der Forint muss mindestens zwei Jahre lang am Wechselkursmechanismus ERM II teilnehmen, ohne größere Spannungen oder Abwertungen. Das ist eine formale Pflicht vor der Euro-Einführung.
- Niedrige langfristige Zinsen
- Die langfristigen Staatsanleihezinsen dürfen nicht deutlich höher sein als in den stabilsten EU-Ländern.
- Rechtliche Anpassungen
- Die ungarischen Gesetze, insbesondere zur Zentralbank, müssen mit den Regeln des Euroraums kompatibel sein.
Wo steht Ungarn heute?
Ungarn ist zwar verpflichtet, den Euro irgendwann einzuführen, hat aber bislang weder einen festen Termin noch ist es dem ERM-II-System beigetreten. In den vergangenen Jahren waren insbesondere Inflation, Haushaltsdefizit und Wechselkursstabilität problematisch.
Wann könnte der Euro kommen?
Hier muss man zwischen dem frühestmöglichen und dem realistischen Zeitpunkt unterscheiden:
- Theoretisches Minimum: etwa 3–4 Jahre.
- Ungarn müsste zunächst die Kriterien erfüllen.
- Danach mindestens zwei Jahre im ERM II bleiben.
- Anschließend könnten EU-Kommission, EZB und die Mitgliedstaaten die Einführung beschließen.
- Realistische Schätzung (Stand 2026):
- Viele Ökonomen halten eine Einführung vor 2030 für eher unwahrscheinlich.
- Politische Diskussionen in Ungarn nennen teilweise Zeiträume um 2030–2031, sofern die wirtschaftlichen Voraussetzungen geschaffen werden.
Kurz gesagt
Wenn Ungarn morgen beschließen würde, den Euro aktiv anzustreben, wäre eine Einführung wahrscheinlich nicht vor 2029 möglich, allein wegen der erforderlichen Vorbereitungen und der mindestens zweijährigen ERM-II-Phase. Realistisch sehen viele Beobachter eher die Zeit um 2030–2032 – vorausgesetzt, Inflation, Defizit und Wechselkursstabilität entwickeln sich entsprechend.
Ein interessanter Punkt für Ungarn ist dabei, dass seit dem 1. Januar 2026 auch das Nachbarland Bulgarien den Euro eingeführt hat und damit zeigt, dass selbst Länder mit ähnlichem Einkommensniveau den Beitritt schaffen können, wenn die formalen Kriterien erfüllt werden.
Was ist der Wechselkursmechanismus ERM II
Der Wechselkursmechanismus ERM II (Exchange Rate Mechanism II) ist ein System der Europäischen Union, das die Wechselkurse von Währungen von EU-Mitgliedstaaten stabilisiert, die den Euro noch nicht eingeführt haben.
Zweck von ERM II
ERM II dient als „Warteraum“ für Länder, die der Eurozone beitreten möchten. Ein Land muss seine Währung für mindestens zwei Jahre erfolgreich im ERM-II-System halten, bevor es den Euro einführen kann.
Wie funktioniert ERM II?
- Die nationale Währung wird an den Euro gekoppelt.
- Es wird ein Leitkurs (Zentralparität) gegenüber dem Euro festgelegt.
- Die Währung darf normalerweise innerhalb einer Bandbreite von ±15 % um diesen Leitkurs schwanken.
- Wenn der Wechselkurs die Grenzen zu überschreiten droht, können die nationale Zentralbank und die Europäische Zentralbank eingreifen, um den Kurs zu stabilisieren.
Warum ist ERM II wichtig?
Das System soll zeigen, dass ein Land:
- stabile Preise und eine solide Wirtschaftspolitik hat,
- starke Wechselkursschwankungen vermeiden kann,
- für die Teilnahme an der gemeinsamen Geldpolitik des Euro geeignet ist.
Beispiele
- Dänemark nimmt am ERM II teil, hat aber beschlossen, den Euro nicht einzuführen. Die dänische Krone ist eng an den Euro gebunden.
- Kroatien trat 2020 dem ERM II bei und führte nach erfolgreicher Teilnahme 2023 den Euro ein.
Kurz gesagt
ERM II ist ein Wechselkurs-Stabilitätssystem der EU, das Nicht-Euro-Ländern hilft, ihre Währung an den Euro anzunähern und die Voraussetzungen für einen späteren Beitritt zur Eurozone zu erfüllen.