Die Fluggesellschaft Wizz Air baut ihre Kapazitäten in Mittel- und Osteuropa aus, rechnet in diesem Jahr mit 80 Millionen Passagieren und einem starken Sommerverkehr und will weiterhin niedrige Preise anbieten. Trotz steigender Kerosinpreise plant das Unternehmen weder Flugkürzungen noch die Einführung eines Treibstoffzuschlags – erklärte Ian Malin, Handelsdirektor von Wizz Air, am Dienstag auf einer Online-Pressekonferenz.
Wizz Air hat die Ziele des ersten Jahres seines im April 2025 gestarteten dreijährigen Umstrukturierungsprogramms „Customer First Compass“ erfüllt: Das Unternehmen berichtete über eine deutliche Erweiterung des Streckennetzes, steigende Kundenzufriedenheit und neue Dienstleistungen zur Verbesserung des Reiseerlebnisses.
Im Rahmen der Strategie erhöht die Fluggesellschaft ihre Kapazitäten in Mittel- und Osteuropa, stärkt die Verbindungen zwischen Hauptstädten und eröffnete neue Basen unter anderem in Bratislava, Palermo und Warschau. Gleichzeitig wurden bestehende Basen – darunter Budapest und Mailand – erweitert, ebenso die Position auf dem italienischen Inlandsmarkt.
Die Fluggesellschaft hält weiterhin an niedrigen Preisen fest: Rund 40 Prozent der Tickets kosten weniger als 40 Euro, was durch die moderne Flotte und die niedrige Kostenstruktur ermöglicht wird.
Wizz Air beförderte 2025 insgesamt 68,6 Millionen Passagiere und betrieb rund 335.000 Linienflüge. Für dieses Jahr rechnet die Fluggesellschaft mit 80 Millionen Passagieren und einem starken Sommergeschäft. In der Hauptsaison plant das Unternehmen täglich 1200 Flüge – ein Wachstum von 20 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum 2025.
Das Ziel des Programms „Customer First Compass“ ist die Verbesserung des Passagiererlebnisses, der Pünktlichkeit und der Servicequalität bei gleichzeitiger Beibehaltung niedriger Ticketpreise. Dafür werden innerhalb von drei Jahren rund 14 Milliarden Euro investiert.
Ian Malin erklärte, dass die Fluggesellschaft zuletzt 99,5 Prozent ihrer geplanten Flüge durchgeführt habe – ein auch branchenweit sehr hoher Wert –, während die Zahl der Flüge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7 Prozent gestiegen sei.
Die Gesellschaft hatte bereits vor der Pandemie beschlossen, ihre Flotte zu modernisieren – damals galt das als mutiger Schritt. Inzwischen umfasst die Flotte 262 Flugzeuge, von denen mehr als 75 Prozent bereits dem neuesten Typ Airbus A321neo angehören. Das Durchschnittsalter der Flotte sank auf 4,65 Jahre.
Das Unternehmen plant, bis 2029 vollständig auf diesen Flugzeugtyp umzusteigen. Neben einer besseren Nachhaltigkeit ermöglicht dies effizienteren Betrieb und niedrigere Betriebskosten, was im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld besonders wichtig sei.
Im Rahmen der Flottenentwicklung nahm das Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten 37 neue Flugzeuge in 12 Ländern in Betrieb und eröffnete mehr als 345 neue Strecken. Für den nachhaltigen Betrieb des Ultra-Low-Cost-Geschäftsmodells sei eine genaue Analyse der Kundenbedürfnisse und die Umgestaltung des Streckennetzes besonders wichtig gewesen.
Neben der Netzwerkerweiterung wurden neue Produkte und Dienstleistungen eingeführt, um das Reiseerlebnis zu verbessern, darunter die digitale Buchungsplattform „WIZZ Link“ und „WIZZ Class“, das komfortableres Reisen ermöglichen soll. Außerdem startete der digitale Service „Disruption Assistance“, der Passagieren bei Störungen alternative Umbuchungsmöglichkeiten bietet.
Zu den Ergebnissen gehört auch, dass die Kundenzufriedenheit auf über 77 Prozent gestiegen ist – eine Verbesserung um etwa fünf Prozentpunkte im Jahresvergleich.
Darüber hinaus baute Wizz Air seine digitalen Dienstleistungen aus, darunter Bordbestellungen, Online-Verbindungstests sowie die Funktion „MyJourney“ in der mobilen App, die Echtzeitinformationen und Selbstbedienungsoptionen für Passagiere bietet.
Owain Jones erklärte, dass sich die Fluggesellschaft gemeinsam mit anderen Akteuren der Branche verpflichtet habe, bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen. Das Unternehmen erfüllt die EU- und britischen Vorschriften zu nachhaltigem Flugkraftstoff und verwendet derzeit eine SAF-Beimischung von 2 Prozent. Durch die Optimierung der Flugrouten wurden bislang rund 2674 Tonnen Treibstoff eingespart, außerdem reduzieren neue Sitzgenerationen den Schadstoffausstoß.
Marion Geoffroy, Geschäftsführerin von Wizz Air UK, hob hervor, dass die Fluggesellschaft bis 2030 erreichen möchte, dass mindestens 7 Prozent der Piloten Frauen sind, während der Frauenanteil im oberen Management auf 40 Prozent steigen soll. Zudem beschäftigt das Unternehmen Mitarbeiter aus mehr als 100 verschiedenen Nationen.
Auf Nachfrage erklärte Ian Malin, dass etwa 70 Prozent des sommerlichen Treibstoffbedarfs zu günstigen Preisen abgesichert wurden. Dadurch könnten die Kosten weniger stark steigen als bei Wettbewerbern, die keine ähnliche Absicherungsstrategie verfolgt haben.
Er fügte hinzu, dass trotz der ungünstigen geopolitischen Lage und der steigenden Kerosinpreise weder Flugkürzungen noch Treibstoffzuschläge geplant seien. Die Ticketpreise würden jedoch die Veränderungen des Markt- und Geschäftsumfelds widerspiegeln.
Abschließend betonte er, dass sich Wizz Air in einer stabilen finanziellen Lage befinde und über liquide Mittel in Höhe von rund 2 Milliarden Euro verfüge.