Der Ungarische Verein für Ornithologie und Naturschutz (MME) hat eine Karte zu Konflikten zwischen Windkraftanlagen und Vögeln erstellt, mit dem Ziel, dass Investoren, Planer und Entscheidungsträger bei der Entwicklung des Windkraftnetzes Naturschutz- und Vogelschutzaspekte mit dem gleichen Gewicht berücksichtigen wie wirtschaftliche Argumente.
Der MME wandte sich auch schriftlich an den Minister für Wirtschaft und Energie, István Kapitány, als Reaktion auf dessen Ankündigung, dass die Regierung Ende August eine bedeutende Ausschreibung für den Bau von Windkraftanlagen veröffentlichen werde – wie der Verein am Dienstag gegenüber der MTI mitteilte.
Laut ihrer Mitteilung steht unter den Energie- und Umweltschutzzielen die Einführung eines möglichst hohen Anteils erneuerbarer Energiequellen im Vordergrund, wobei in Ungarn derzeit der deutlichen Ausbau der Windenergie im Vordergrund steht.
Der MME begrüßt und unterstützt die Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energiequellen, darunter auch der Windenergie, warnt jedoch: Dies kann nur dann verantwortungsvoll umgesetzt werden, wenn die Projekte keine erheblichen Schäden für den Naturschutz verursachen.
Die negativen Auswirkungen von Windkraftanlagen auf die Tierwelt sind bereits seit den 1970er Jahren bekannt, und im letzten Jahrzehnt wurden auch im Karpatenbecken Untersuchungen zur Beeinträchtigung von Raubvögeln oder des Trappenbestands durchgeführt. Diese Untersuchungen haben gezeigt, dass solche Projekte neben den durch Kollisionen verursachten direkten Todesfällen auch einen erheblichen Lebensraumverlust aufgrund des Baus von Windkraftanlagen und der damit verbundenen Infrastruktur zur Folge haben.
Die MME betonte:
Das in naher Zukunft zu errichtende Windkraftnetz wird die heimische Tier- und Pflanzenwelt über Jahrzehnte hinweg beeinflussen und bei bestimmten gefährdeten Vogel- oder Fledermausarten sogar kritische und irreversible Auswirkungen haben können, wenn Naturschutzaspekte bei der Planung nicht ausreichend berücksichtigt werden.
Um den Gesetzgebungs- und Planungsprozess zu unterstützen, hat die MME die Gefährdung der Vogelarten durch Windkraftanlagen sowie deren Naturschutzstatus bewertet, die Vorkommensdaten der potenziell betroffenen Vogelarten ausgewertet und auf der Grundlage eines gewichteten Punktesystems eine landesweite Konfliktkarte mit einer Auflösung von 2,5 km erstellt.